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Aline Pabst
Reporterin Saarbrücken
25. Juni 2024
Liebe Leserinnen und Leser,
Olaf Scholz war ohnehin wegen eines Wahlkampftermins (der dann vernünftigerweise abgesagt wurde) im Saarland. Trotzdem: Wenn der Bundeskanzler höchstpersönlich die Flutschäden vor Ort begutachtet , weiß man, dass die Lage ernst ist.
Zwei Wochen ist es nun her, dass unser schönes Bundesland vom schlimmsten Hochwasser seit Ewigkeiten heimgesucht wurde. An den Folgen werden wir noch lange zu knabbern haben.
»In den letzten Jahrzehnten hat einfach kein adäquater Klimaschutz stattgefunden. Wir haben die Erhitzung zugelassen und sind deshalb jetzt dort, wo wir sind. Das werden wir aushalten müssen, dagegen können wir nichts tun.«
Özden Terli
Wobei – was heißt „heimgesucht“? Diese Formulierung suggeriert ein Unglück oder Zufall, etwas, vor dem man sich eigentlich nicht schützen kann, weil es ohne Vorwarnung über uns hereinbricht. Wir kennen den Grund für diese Flutkatastrophe aber sehr wohl. Ja, es hat auch schon früher Starkregen und Hochwasser gegeben – aber nach rund 150 Jahren seit Beginn der Industrialisierung, in denen die Menschheit gewaltige Mengen Treibhausgase in die Atmosphäre geblasen hat, beeinflusst der Klimawandel das Wetter praktisch jeden Tag und kann auch in einer solchen Situation nicht ausgeklammert werden. Das jedenfalls erklärte mir Meteorologe Özden Terli, den Sie vielleicht schon mal beim ZDF-Wetterbericht gesehen haben, nur einen Tag nach der Flut in einem langen Interview .
Zerstörung, Keime und ein Millionenschaden
Es besteht kein Zweifel daran, dass dieses Hochwasser historische Ausmaße hatte. An vielen Messstationen wurden die höchsten Pegelstände seit Beginn der Aufzeichnungen gemessen . Laut dem Deutschen Wetterdienst fiel teils die eineinhalbfache durchschnittliche Regenmenge eines gesamten Monats innerhalb von nur 18 Stunden. Die deutsche Presseagentur fasst den DWD-Bericht so zusammen: „An verschiedenen Messstationen fielen Regenmengen, wie sie statistisch seltener als alle 100 Jahre vorkommen. Über 100 Liter pro Quadratmeter Regen innerhalb eines Tages gab es etwa in Saarbrücken-Ensheim (111 Liter pro Quadratmeter in 18 Stunden), Berus (107 Liter pro Quadratmeter) oder in Saarbrücken-Burbach (105). Im statistischen Mittel gibt es im Saarland im Mai 73,2 Liter pro Quadratmeter Niederschläge.“
Nun zieht ein Hochwasser eine ganze Menge anderen Mist nach sich. Einerseits ist da natürlich der finanzielle Schaden. Wie hoch der genau ausfallen wird, weiß noch niemand so genau, aber die Landesregierung hat innerhalb weniger Tage Hochwasser-Hilfen für betroffene Saarländer auf den Weg gebracht . Die sind auch deshalb nötig, weil nur 47 Prozent aller saarländischen Haushalte gegen Elementarschäden versichert sind. Seit Jahren fordern die Länder die Einführung einer Pflichtversicherung und auch Ministerpräsidentin Anke Rehlinger (SPD) hat eine solche nach der Flut wieder ins Spiel gebracht – und legte sich dabei mit Bundesfinanziminister Marco Buschmann von der FDP an .
In einer Sondersitzung des Landtags am Montag ging es dann auch um Geld. Die Fraktionen waren sich einig, dass die Flutopfer unterstützt werden sollen, Streit gab es nur darum, wer dafür zahlen soll .
Geld ist das eine. Jedes Hochwasser ist allerdings immer auch eine Katastrophe für die Umwelt – und damit auch die Gesundheit. In einigen Gemeinden im Kreis Saarlouis musste zeitweise das Trinkwasser gechlort werden, weil es keimbelastet war. In Völklingen dauert die Chlorung aktuell noch an, aber zumindest muss das Wasser in der Hüttenstadt nicht mehr abgekocht werden. Nur die Püttlinger müssen wohl noch einige Tage mit dieser ungewohnten Situation leben .
Leider ist das nicht die einzige Gefahr, die vom Hochwasser ausgeht. Welche Umweltschäden zu erwarten sind, wieso es dazu überhaupt kommt und wie sich die Saarländer jetzt und in Zukunft schützen können, hat mir ein Experte des Magdeburger Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung erklärt .
Welche Lehren ziehen wir für die Zukunft?
Manche Orte im Saarland waren von der Flut überhaupt nicht betroffen, weil sie schlicht in keinem Risikogebiet liegen. Andere haben in der Vergangenheit schon häufiger Erfahrungen mit Hochwasser machen müssen. Interessant ist, wie die betroffenen Städte und Gemeinden damit umgegangen sind, denn daraus lassen sich Lehren für die Zukunft ziehen.
»Es wird viel über Anpassungsmaßnahmen gesprochen. Natürlich müssen die stattfinden. (...) Man muss überprüfen, inwieweit man eine Stadt anpassen kann und auch, ob in Gebieten, die überflutet wurden, noch weiter gebaut werden sollte.«
Özden Terli
So riss ein Hochwasser in der Gemeinde Quierschied 2009 sogar das Rathaus mit sich. Auch dieses Mal kam es am Kraftwerk Weiher zu dramatischen Szenen . Aber: Alles in allem kam die Gemeinde gut weg – auch weil sie aus den Erfahrungen der Vergangenheit gelernt hat, lobt mein Kollege Michael Kipp in unserem regionalen Leitartikel . Was die Gemeinde genau gemacht hat, können Sie hier lesen .
Ganz anders ist die Stimmung derzeit in Lebach. In der Theel-Stadt wurden dutzende Menschen durch die Flut obdachlos – und dann zog Bürgermeister Klauspeter Brill (parteilos) auch noch einen Shitstorm auf sich, weil er kurz nach der Katastrophe in Urlaub fuhr . Dafür hat der Bürgermeister sich zwar mittlerweile entschuldigt, aber der Ärger reißt nicht ab: Der Ortsvorsteher von Lebach attackierte die Verwaltungsspitze für grobe Versäumnisse beim Hochwassermanagement . Der CDU-Politiker muss nun aber ebenfalls Kritik durch die Lebacher SPD einstecken, die sagt, dass sich die CDU bisher nicht für den städtischen Hochwasserschutz interessiert habe .
Auch in Blieskastel gibt es heftigen Streit. Dort hielt zwar ein Damm, der das Schlimmste verhinderte , aber dafür fiel eine Pumpstation aus, wodurch die Innenstadt überflutet wurde . Exakt die selbe Situation gab es in Blieskastel schon einmal – deswegen forderten die Grünen noch am Pfingstwochenende, eine Sondersitzung des Stadtrats einzuberufen , um die Angelegenheit zu klären. Dafür hagelte es heftige Kritik , der Entsorgungsverband nahm ebenfalls Stellung und erklärte, wie es zu dem Versagen der Pumpe kommen konnte. Derzeit sieht es so aus, als würde die Sondersitzung nicht mehr vor der Kommunalwahl zustande kommen.
Kommunalwahl ist auch Klimawahl!
Offenbar gibt es hier noch einiges aufzuarbeiten. Vergessen Sie dabei aber bitte nicht, am 9. Juni wählen zu gehen! Dann findet nicht nur die Europawahl statt, sondern auch neue Orts-, Gemeinde- und Stadträte sowie mehrere Landräte im Saarland stehen zur Wahl. Alle allgemeinen Infos zu diesem Superwahltag finden Sie hier zusammengefasst . Ich habe mich außerdem mit der Rolle der Kommunen beim Klimaschutz und Klimawandelfolgenanpassung beschäftigt – denn die Städte und Gemeinden haben neben Hochwasserschutz noch viele weitere Aufgaben, die damit zusammenhängen. Die Zusammenstellung dürfte viele Bürger überraschen .
Letzter Tipp: Wenn Ihnen das Klima am Herzen liegt, Sie aber nicht wissen, welche Partei auf EU-Ebene die richtige ist, finden Sie beim Science-O-Mat oder dem EU-Klimawahlcheck Antworten.
In der nächsten Ausgabe des Klima-Newsletters wird es sicher auch wieder andere Themen geben. Bis dahin: Bleiben Sie gesund und trocken!
Aline Pabst
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